Mi, Nov 21, 2018
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Wohin sich wenden? An den Horizont.

In diesem Jahr waren die Erwartungen Jugendlicher an die Zukunft Thema des europäischen Forums Alpbach: Zwei Wochen lang wurde von PolitikerInnen, WirtschafterInnen und WissenschafterInnen darüber gesprochen. Haben Sie irgendetwas davon bemerkt?
In den letzten vier Jahren hat sich die Anzahl der Depressionen und depressiven Verstimmungen Jugendlicher in städtischen Ballungsräumen wie in den Banlieus Paris vervierfacht – hat das jemand in Ihrem Handlungsfeld mit Betroffenheit wahrgenommen?
Und noch eine Frage: Gibt es angesichts der frühen medialen in Besitznahme von Denken und Wahrnehmen das überhaupt noch: Kindheit und Jugend?
Insbesondere die dritte der drei Fragen ist für die Jugendarbeit von existenzieller Natur, bezieht sie doch ihre Berechtigung zum Handeln nur daraus, dass es Kindheit und Jugend gibt. In der Begegnung mit Auftraggebern begegnet sie nicht nur diesen, sondern auch deren existenziellen Fragen: der Finanzier- und Moderierbarkeit des Sozialstaates…
Sich und einander als Fragender zu begreifen, kann zu neuen Antworten und zu einem neuen Denken führen: dem Vordenken. Dieses sollte insbesondere in der Jugendarbeit, die sich als Zukunftslabor versteht, das reagierende und Anlass bezogene Nachdenken ablösen. Denn nur wer heute daran denkt, wie die Bedingungen für ein gutes Morgen zu gestalten sind, wird morgen nicht von gestern sein.
Der Weg führt also an neue Horizonte. Beim Forum 20:12 sind wir ihn gemeinsam gegangen, haben Bruchzonen ebenso überquert wie Brücken. Immer mit der Frage vor Augen: Was braucht die Jugendarbeit im kommunalen Raum der Gegenwart und Zukunft. Daraus können Landkarten entstehen, die uns Zuspruch, Anregung und Bestätigung sind.

von Gerald Koller